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Lebensgrundlage(n)?

"Martin Dietrich"
24.05.2007 - 14:10
Quelle: http://www.zeit.de/2007/22/Guenter-Wallraff?pagell
<Zitatauszug>
Bei CallOn hatte ich eine Kollegin kennengelernt, die von der Arbeitsagentur
zu einem Callcenter namens ZIU-International geschickt worden war. Dort,
erzählte sie mir, seien ihr Verkaufspraktiken abverlangt worden, die sie mit
ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnte. Nachdem sie der Arbeitsagentur den
Fall unterbreitet hatte, informierte die nicht etwa die Gewerbeaufsicht,
sondern bestrafte die Frau mit einer Sperrzeit. Kein Geld, kein Hartz IV,
keine Arbeitslosenunterstützung. Sie habe das Ende ihres
Beschäftigungsverhältnisses selbst zu verantworten, hieß es.
</Zitatauszug>

Wovon soll eigentlich ein Mensch leben, wenn ihm alles gekürzt wird?


nospam
24.05.2007 - 17:30
"Martin Dietrich" <email@anonym; schrieb:

Wovon soll eigentlich ein Mensch leben, wenn ihm alles gekürzt wird?

Von der Arbeit, die man hier wohl vielleicht doch nicht so einfach hätte
aufgeben dürfen.

Was genau die Gründe für dei Eigenkündigung waren, bleibt wie so oft im
Dunkeln.

Elmar



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Andreas Froehlich
24.05.2007 - 18:20
Martin Dietrich schrieb:
Quelle: http://www.zeit.de/2007/22/Guenter-Wallraff?pagell
<Zitatauszug>
Bei CallOn hatte ich eine Kollegin kennengelernt, die von der Arbeitsagentur
zu einem Callcenter namens ZIU-International geschickt worden war. Dort,
erzählte sie mir, seien ihr Verkaufspraktiken abverlangt worden, die sie mit
ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnte.

d.h., sie hat wohl selbst gekündigt? Warum hat sie nicht einfach nach
ihrem Gewissen gearbeitet und sich kündigen lassen und die Kündigung
dann vor dem Arbeitsgericht angefochten?

Andreas

Hans Beiger
24.05.2007 - 19:08
Martin Dietrich schrieb:

Quelle: http://www.zeit.de/2007/22/Guenter-Wallraff?pagell

<Zitatauszug>

Bei CallOn hatte ich eine Kollegin kennengelernt, die von der Arbeitsagentur
zu einem Callcenter namens ZIU-International geschickt worden war. Dort,
erzählte sie mir, seien ihr Verkaufspraktiken abverlangt worden, die sie mit
ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnte. Nachdem sie der Arbeitsagentur den
Fall unterbreitet hatte, informierte die nicht etwa die Gewerbeaufsicht,
sondern bestrafte die Frau mit einer Sperrzeit. Kein Geld, kein Hartz IV,
keine Arbeitslosenunterstützung. Sie habe das Ende ihres
Beschäftigungsverhältnisses selbst zu verantworten, hieß es.
</Zitatauszug>

Wovon soll eigentlich ein Mensch leben, wenn ihm alles gekürzt wird?

Hallo,

was ist das?:

seien ihr Verkaufspraktiken abverlangt worden, die sie mit ihrem
Gewissen nicht vereinbaren konnte.

Waren die irgendwie ungesetzlich oder ehrenrührig?, dann wäre die
Staatsanwaltschaft zuständig. Oder waren die lediglich ihrem
persönlichen Empfinden abträglich?

Ansonsten ist das absolut korrekt, wer eine zumutbare Arbeit aufgibt
bekommt eine 3-monatige Sperre.

Hans



"Martin Dietrich"
25.05.2007 - 08:48
Hans Beiger wrote:

Ansonsten ist das absolut korrekt, wer eine zumutbare Arbeit aufgibt
bekommt eine 3-monatige Sperre.

genau so kommen wir ins Thema

- wer bestimmt was zumutbar ist?
- sind Arbeitnehmer Leibeigene?
- haben AN kein Recht auf (begrenzte) freie Wahl der ausgeübten Tätigekeit?
(Fähigkeiten/Interessen)
- wovon soll ein Mensch Leben wenn ALLES 3 Monate gekürzt/getsrichen wird?

Martin


"Helmut Grundmann"
25.05.2007 - 16:11

"Martin Dietrich" <email@anonym; schrieb im Newsbeitrag
news:f360rq$8d6$01$email@anonym...
Hans Beiger wrote:

Ansonsten ist das absolut korrekt, wer eine zumutbare Arbeit aufgibt
bekommt eine 3-monatige Sperre.

genau so kommen wir ins Thema

- wer bestimmt was zumutbar ist?
- sind Arbeitnehmer Leibeigene?
- haben AN kein Recht auf (begrenzte) freie Wahl der ausgeübten
Tätigekeit?
(Fähigkeiten/Interessen)
- wovon soll ein Mensch Leben wenn ALLES 3 Monate gekürzt/getsrichen wird?

Martin
---------------------------------------------------------------------
Nach S(t)GB II:

Zu 1 = die ARGE (im wahrsten Sinne des Wortes)
" 2 = im gewissen Sinne schon (siehe oben)
" 3 = definitiv NEIN
" 4 = ist das der Arge sch....egal!

MfG





Peter Heirich
25.05.2007 - 22:27

Hans Beiger wrote:

Ansonsten ist das absolut korrekt, wer eine zumutbare Arbeit aufgibt
bekommt eine 3-monatige Sperre.

So einfach ist es dann wohl doch nicht.

Die zu beantwortende Kernfrage ist:

Lassen wir als Gesellschaft Leute unter der Brücke verhungern ? Gegen Ihren
Willen jedenfalls.

Wenn man das bejaht, dann sind solche Sperren inclusive und als Konsequenz
benötigen wir ein neues GG und eine neue Definition von Menschenrechten.

Verbleibt es bei den bisherigen Menschenrechten und dem bisherigen GG,
finden Sperren ihre Grenze spätestens dann, wenn die Lebensgrundlagen
(Wohnung+Essen+Trinken) bedroht sind.

Peter




"Martin Dietrich"
26.05.2007 - 10:11
Peter Heirich wrote:

Wenn man das bejaht, dann sind solche Sperren inclusive und als
Konsequenz benötigen wir ein neues GG und eine neue Definition von
Menschenrechten.

Verbleibt es bei den bisherigen Menschenrechten und dem bisherigen GG,
finden Sperren ihre Grenze spätestens dann, wenn die Lebensgrundlagen
(Wohnung+Essen+Trinken) bedroht sind.

FullACK

es kann ja nicht sein, das man global sagt: "Arbeite oder Sterbe"

Die Volksvertreter haben die Grundlagen der Eigenversorgung abgeschafft.
Wäre aber die Eigenversorgung noch möglich, dann hätte jeder Mensch die
Möglichkeit selbst zu entscheiden wie er leben will.

Martin


"Klaus"
26.05.2007 - 11:08

"Peter Heirich" <email@anonym; schrieb im Newsbeitrag
news:f37grq$bvl$email@anonym...
Hans Beiger wrote:

Ansonsten ist das absolut korrekt, wer eine zumutbare Arbeit aufgibt
bekommt eine 3-monatige Sperre.

So einfach ist es dann wohl doch nicht.

Die zu beantwortende Kernfrage ist:

Lassen wir als Gesellschaft Leute unter der Brücke verhungern ? Gegen
Ihren
Willen jedenfalls.

Wenn man das bejaht, dann sind solche Sperren inclusive und als Konsequenz
benötigen wir ein neues GG und eine neue Definition von Menschenrechten.

Verbleibt es bei den bisherigen Menschenrechten und dem bisherigen GG,
finden Sperren ihre Grenze spätestens dann, wenn die Lebensgrundlagen
(Wohnung+Essen+Trinken) bedroht sind.

Peter



Das Problem beginnt schon dann, wenn jemand gezwungen ist sich zwischen
Zahlung der Miete = Verhungern und nicht Verhungern = keine Mietzahlung =
Obdachlos zu entscheiden.

Natürlich sollte jede zumutbare Arbeit angenommen werden.
Ob Callcenter dazugehört, weiß ich nicht.
Wenn ein Internetspezialist im Callcenter im Helpdesk ( ich hoffe, das ist
so richtig geschrieben ) arbeiten soll, ist das schon o.k..

Wenn aber eine Hausfrau irgendwas verkaufen soll, angeschissen wird, weil
sie an Arbeitslose nichts verkaufen möchte ( tut mir leid, dann will ich Sie
nicht weiter belästigen...amTelefon natürlich durch den Oberaufseher
mitgehört ) finde ich das eine Sauerei.

Andererseits werden Mitarbeiter ohne nennenswerten Umsatz sowieso entlassen.
Deshalb hätte ich an Stelle der Frau darauf gewartet. Es fehlte nur noch,
das die Arge jemanden einen Strick dreht, wenn er nicht kann!
Egal ob körperlich, geistig oder eben aus Gewissensgründen.

Klaus





Arnold Schiller
26.05.2007 - 12:32
Klaus:
Wenn aber eine Hausfrau irgendwas verkaufen soll, angeschissen wird, weil
sie an Arbeitslose nichts verkaufen möchte ( tut mir leid, dann will ich Sie
nicht weiter belästigen...amTelefon natürlich durch den Oberaufseher
mitgehört ) finde ich das eine Sauerei.

ROTFL, ob Versicherungsvertreter, Drückerkollone oder die von Wallraff
geschilderten Callcentermitarbeiter - das ist Alltag. Wieviel Idioten
schlagen im Usenet mit Multilevelmarketing auf. Der Existenzdruck macht
dies alles möglich und Fördergelder werden hier und da auch noch
abgezogen. Wer sich darüber wundert und laut Sauerei sagt, hat den Schuss
nicht gehört. Die Zustände gibt es schon seit den 70er Jahren. Sie sind
nur schlimmer geworden, weil es quasi Null Bestrafungen gibt. Die Verlage
beschäftigen Drückerkolonnen, selbst das Rote Kreuz oder der Malteser
Hilfsdienst hat Drückerkolonnen laufen. Die Verlage haben Callcenter
genauso laufen sie die SKL oder die Lottogesellschaften. Strukturvertriebe
für Immobilien bis Versicherung zu Kosmetik und Kräutern sind Gang und
Gäbe. Der Schmutz wird nur nach oben sauber gewaschen, das jeder nur ein
bisschen Dreck am Revers hat und der Vorstand einer AG angeblich nichts
davon weiss. Die Schmiergeldkoffer der Parteien sind ja auch per
Geisterhand über Grenzen gewandert.

Wallraffs Callcenteragents sind ja noch hochmoralisch. Prügelnde
Teamleiter in Drückerkollonen "Junger Mann zum Mitreisen" oder
"Bardame gesucht" sind dann die unteren menschenunwürdigen Tätigkeiten.

Grüße,
Arnold


"Helmut Grundmann"
26.05.2007 - 15:33

"Martin Dietrich" <email@anonym; schrieb im Newsbeitrag
news:f38q2p$lgp$03$email@anonym...
Peter Heirich wrote:

Wenn man das bejaht, dann sind solche Sperren inclusive und als
Konsequenz benötigen wir ein neues GG und eine neue Definition von
Menschenrechten.

Verbleibt es bei den bisherigen Menschenrechten und dem bisherigen GG,
finden Sperren ihre Grenze spätestens dann, wenn die Lebensgrundlagen
(Wohnung+Essen+Trinken) bedroht sind.

FullACK

es kann ja nicht sein, das man global sagt: "Arbeite oder Sterbe"
----------------------------------------------------------------------
Wieso?? Der Herr Müntefehring hat es doch schon ausgesprochen:
NUR WER ARBEITET SOLL AUCH ESSEN!!
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Die Volksvertreter haben die Grundlagen der Eigenversorgung abgeschafft.
Wäre aber die Eigenversorgung noch möglich, dann hätte jeder Mensch die
Möglichkeit selbst zu entscheiden wie er leben will.

Martin




sic-est
27.05.2007 - 17:30
Lassen wir als Gesellschaft Leute unter der Brücke verhungern ? Gegen=
Ihren
Willen jedenfalls.

Ich gehe davon aus, dass die Gesellschaft so beschaffen ist.

Verbleibt es bei den bisherigen Menschenrechten und dem bisherigen GG,
finden Sperren ihre Grenze spätestens dann, wenn die Lebensgrundlagen=

(Wohnung+Essen+Trinken) bedroht sind.

Es ist auch nicht jedermanns Sache, an der Edeka-/Lidl-Kasse0
"Sozialmarken" zu zücken. Das ist der "Behörde" genauso egal wie sie =

Widersprüche aussitzt und unseriöse Scheinangebote unterbreitet,0
nachdem sie als erstes den Steuerzahler mit einer Datenschutzverletzung0
Schreiben dorthin belastet hat.
--0
Vielleicht würde es helfen, wenn Gerüchte gestreut würden, auch0
Abgehängte seien "gewaltbereit"


Andreas Froehlich
28.05.2007 - 11:25
email@anonym:


Es ist auch nicht jedermanns Sache, an der Edeka-/Lidl-Kasse
"Sozialmarken" zu zücken.

Lidl nimmt "Sozialmarken"? Das wäre mir neu.

Andreas

Michael Meier von Rouden
28.05.2007 - 16:30
"Helmut Grundmann" <email@anonym; wrote:



Wieso?? Der Herr Müntefehring hat es doch schon ausgesprochen:
NUR WER ARBEITET SOLL AUCH ESSEN!!

Versteh ich nicht, ißt der nicht?


"Martin Dietrich"
28.05.2007 - 18:58
Michael Meier von Rouden wrote:
"Helmut Grundmann" <email@anonym; wrote:



Wieso?? Der Herr Müntefehring hat es doch schon ausgesprochen:
NUR WER ARBEITET SOLL AUCH ESSEN!!

Versteh ich nicht, ißt der nicht?

... oder besser: was arbeitet der?





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